Annemarie und Ulf Grünberg, Beate Kostka von der Arbeitsagentur Neuruppin (v.l.n.r.)
Arbeitsagentur Neuruppin
Annemarie und Ulf Grünberg, Beate Kostka von der Arbeitsagentur Neuruppin (v.l.n.r.)

"Geht ins Handwerk"

Dünn besiedelt und fernab von Großstädten: Die Prignitz steht vor ganz eigenen Herausforderungen bei der Fachkräftesicherung. Einer, der sich der Aufgabe stellt, ist Bäckermeister Ulf Grünberg aus Lenzen. Dafür zeichnete ihn die Arbeitsagentur Neuruppin jetzt aus.

„Wir kämpfen unheimlich darum, Azubis für die Region zu gewinnen, arbeiten sehr eng mit der Agentur für Arbeit und der Kreishandwerkerschaft zusammen. Aber nicht immer führen unsere Bemühungen zum Erfolg“, so Grünberg, der im Vorstand der Bäcker- und Konditoren-Innung Prignitz arbeitet. So beginnt in diesem Jahr ein gebürtiger Syrer eine Konditorenausbildung in der Bäckerei, auch nach Usbekistan hat der Bäcker- und Konditormeister Kontakte geknüpft. „Eine Herausforderung dabei ist, eine Unterkunft für die Azubis zu finden, was von der Prignitz wohl kaum einer erwartet. Aber es ist selbst hier schwierig, bezahlbaren und angemessenen Wohnraum zu finden, der saniert ist, bei dem die Fläche stimmt und der auch den Ansprüchen der Mieter gerecht wird“, weiß der Handwerker. Deshalb will er künftig seinen Azubis selbst passende Unterkünfte zur Verfügung stellen.

Am Ende müssen alle Faktoren stimmen, um Bewerber zu überzeugen, nicht nur der Betrieb selbst. „Viele Jugendliche gehen an die Uni, andere wollen nicht von den Eltern weg“, erläutert Grünberg. Mit seinen Erfahrungen ist der Handwerker nicht allein. Laut einer Umfrage der Brandenburgischen Kammern und der Wirtschaftsförderung wird das Angebot an Arbeitskräften im Land in der kommenden Dekade um 22 Prozent zurückgehen, insbesondere im Bereich der beruflichen Bildung. Bei der Arbeitsagentur Neuruppin stehen schon heute rund 2.000 Bewerber für einen Ausbildungsplatz 2.443 offenen Ausbildungsstellen in der Region entgegen.

Kreative Wege zur Fachkräftesicherung

Für Fachkräftesicherung setzt sich unter anderem auch der Regionale Wachstumskern Prignitz ein. Dazu gehören kreative Ansätze, zum Beispiel der „Landeplatz Nordwestbrandenburg“, der eine Rückkehr in die Heimat fördert und Netzwerkarbeit leistet. Oder der „Summer of Pioneers“ 2019, bei dem 20 Großstädter dank Fördermitteln für ein halbes Jahr auf Probe in Wittenberge lebten und testeten, wie mobiles Arbeiten mit Co-Working und Entschleunigung auf dem Land funktioniert. Dazu gehören aber auch der weitere Ausbau der A14, deren Lücken zwischen Kreuz Schwerin und Magdeburg bis 2030 geschlossen sein sollen.

Zu einem weiteren Angebot gehört die „Jobstart Prignitz“, die in diesem Jahr zum zweiten Mal online stattfand. Auch Ulf Grünberg beteiligte sich gemeinsam mit Kreishandwerkerschaft und HWK Potsdam daran. Im letzten Jahr bildete der Handwerker drei junge Frauen in drei Ausbildungsberufen aus: eine Bäckerin, eine Konditorin und eine Fachverkäuferin. Für das kommende Ausbildungsjahr hat er noch Ausbildungsplätze frei, für die er regelmäßig auf regionalen Karrieremessen wirbt. „Es ist wichtig, dass wir nicht nur erwarten, dass die jungen Leute sich unseren Wünschen anpassen. Auch wir müssen uns den gestiegenen Anforderungen der Jugendlichen stellen“, bringt er es auf den Punkt.

Ausgezeichnetes Engagement

Für sein Ausbildungsengagement zeichnete die Arbeitsagentur Neuruppin den engagierten Handwerksmeister am 23. Juni mit dem Ausbildungszertifikat aus. Damit ehrt die Agentur Betriebe, die sich besonders engagiert um Jugendliche kümmern. Die Bäckerei Grünberg bildet seit 1990 aus. Die Agentur überzeugte unter anderem die aktive Innnungsarbeit von Ulf Grünberg und seine zahlreichen Aktivitäten im Bereich der Nachwuchswerbung. So sensibilisiere er mit Aktionen wie Keksbacktage und Live-Präsentationen seiner Backkunst auf regionalen Messen schon frühzeitig den Nachwuchs für das Handwerk.

„Ich habe Ulf Grünberg schon selber bei der Messe erlebt, umringt von Jugendlichen und Eltern. Ich bin begeistert, mit welchem Engagement er und sein Unternehmen sich für die Nachwuchsförderung und die Schaffung von regionalen Ausbildungsplätzen einsetzt. Er ist einfach ein toller Botschafter für die Prignitz und ein starker Botschafter für das Handwerk“, so Beate Kostka, Leiterin der Agentur für Arbeit Neuruppin. Grünbergs Engagement sei ein Signal an die jungen Menschen in der Region, die sich eine Verwirklichung ihrer beruflichen Träume in der Heimatregion wünschen und ihr verbunden bleiben möchten, so Kostka. „Geht ins Handwerk, lautet schlicht unser Rat“, so die Agenturchefin.

Katja Wolf

Text/Ansprechpartnerin:

Dieser Text ist erschienen im Deutschen Handwerksblatt der Handwerkskammer Potsdam, Ausgabe 6/2021